Rückblick

 

18. März 2021

Dialog mit Nachfahren jüdischer Überlebender des Holocaust aus Heidelberg

 

Veranstaltung der Heidelberger Lupe im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus

Eldad und Shoshi Shilo (oben links) waren aus Israel zugeschaltet. Sie und Lokalhistoriker Norbert Giovannini (oben, 2. v. r.) erzählten von der Geschichte der Familie Sipper.

„Das Einzige, was sie unterschied, war ihr Glaube“

Nachkommen von Holocaust-Überlebenden sprachen auf Einladung der „Heidelberger Lupe“ über Ihre Geschichte – Familienmitglieder fanden digital wieder zusammen     Von Helen Moayer Toroghy

 

Damit hatte niemand gerechnet – man bekam Gänsehaut, als sich vergangenen Donnerstag plötzlich die Nachkommen der ostjüdischen Familie Sipper online wiederfanden. Der Verein für historische Forschung und Geschichtsvermittlung „Heidelberger Lupe“ veranstaltete einen digitalen Dialog mit Nachfahren jüdischer Überlebender des Holocausts aus Heidelberg. Anlass hierfür waren die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Die Vorsitzende Verena Meier eröffnete die Veranstaltung und Lokalhistoriker Norbert Giovannini berichtete über die Geschichte der Familie Sipper in Heidelberg.

 

Die Sippers sind eine typische ostjüdische Familie, die im ausgehenden 19. Jahrhundert aus Osteuropa floh. Grund dafür waren Judenhass, Verfolgung und Pogrome. Die Sippers zogen zwischen 1905 und 1911 nach Heidelberg und waren als Second-Hand-Möbelhändler tätig. In Zeiten von Krieg, Wirtschaftskrise und Inflation waren solche Geschäfte eine ökonomische Notwendigkeit und für viele Stadtbewohner

ein Segen. Auch wenn die Situation osteuropäischer Jüdinnen und Juden oft von Missbilligung begleitet war, könne man davon ausgehen, dass die Sippers in Heidelberg respektiert und anerkannt gewesen seien, so Giovannini.

 

Das Ehepaar Hermann und Fanny Sipper hatte ein Möbelgeschäft in der Weststadt. Ihre drei Kinder Israel, Klara und Selma gingen in Heidelberg zur Schule und Israel studierte an der Universität Jura. Später lebte Klara Sipper bis zu ihrer Flucht in der Ladenburger Straße 36. Sie ist die Mutter von Shoshi Shilo und die Großmutter von Eldad Shilo, die beide aus Israel zugeschaltet waren.

 

„Sie lebten unter Deutschen, sahen sich selbst als Deutsche und kämpften auch im Ersten Weltkrieg. Das Einzige, was sie unterschied, war ihr Glaube“, sagte Eldad Shilo, Enkel der Holocaust-Überlebenden Klara Sipper. Er betonte, dass ihre Geschichte kein Einzelfall sei, sondern dass es vielen jüdischen Familien so ergangen sei. „Aus heiterem Himmel wurden sie vom Ausmaß des Antisemitismus überrollt“, sagte Eldad Shilo. Er verdeutlichte mit Fotos der Stadt Heidelberg von 1932 und 1936, wie schnell die Stimmung kippte. Während das erste Foto den damaligen Bismarckplatz an einem gewöhnlichen Sommertag zeigte, sah man auf dem zweiten Foto den Universitätsplatz beim 550-jährigen Jubiläum der Universität: Überall sind Hakenkreuze zu sehen, man sieht, wie die versammelte Masse den Hitlergruß ausführt. Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft habe niemand geahnt, wohin der Antisemitismus führen würde: „Deshalb muss man auch heute wachsam für antisemitische Warnzeichen sein“, betonte Shildo.

 

„Meine Mutter spürte früh, dass es in Heidelberg unsicher wurde, und ist nach Straßburg gegangen“, sagte Shoshi Shilo. Nachdem Shoshis Großvater zwischenzeitlich festgenommen worden war, flohen auch Klaras Eltern mit Hilfe des Heidelberger Pfarrers Herrmann Maas nach Frankreich. Indem sie eine Scheinehe eingingen, gelang Shoshis Mutter und ihrer Tante Selma letztlich die Flucht in das damalige Palästina. Von dort aus konnten sie auch Israel Sipper nach Palästina holen. Doch auch nach 1945 litt die Familie noch unter der Diskriminierung durch deutsche Behörden. Man unterstellte ihnen, zu Unrecht Entschädigungen erhalten zu haben.

 

Nachdem Shoshi und Eldad Shilo über die Geschehnisse gesprochen hatten, meldeten sich plötzlich einige Teilnehmer aus dem Plenum zu Wort. Es waren die Nachkommen von Klaras Cousin, dessen Familie ebenfalls in Heidelberg lebte.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Giovannini von einem zweiten Familienstrang berichtet: dem Ehepaar Jakob und Salla Sipper. Die jüngeren Kinder dieser Familie, Hermann Sipper und seine Schwester Emma Sipper, gelangten 1939 mit einem Kindertransport nach England. Von dort waren jetzt die Nachkommen von Klaras Cousin zugeschaltet. Sie zeigten alte Familien-Fotografien und tauschten sich über die Geschichten ihrer Eltern und deren Erinnerungen aus.

 

„Mir fehlen die Worte, dass wir hier heute Zeuge dieser Familienvereinigung sein durften“, sagte Meier. Meier hatte die Sippers aus Großbritannien angeschrieben und zur Veranstaltung eingeladen. Dass so viele kommen und sich sogar in der Veranstaltung zu Wort melden würden, damit habe sie nicht gerechnet.

 

RNZ  22.03.2021

9. November 2020

Der Stadtschüler*innenrat von Wiesbaden hat ein Video zum Gedenken an das Novemberpogrom am 9./10.11.1938 erstellt. Damals wurde auch die Wiesbadener Synagoge zerstört. Das Video ist eine gegenwartsbezogene Mahnung, sich dem Weiterwirken von Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie entschieden entgegenzustellen. Eine klare Ansage der drei Wiesbadener Stadtschulsprecher*innen. Kamera: Eva Giovannini.

Januar 2020

Verleihung des Obermayer-Award an Norbert Giovannini

 

Anlässlich der Verleihung des Obermayer Award im Abgeordnetenhaus Berlin am 27.01.2020 wurde im SWR-Fernsehen ein Porträt von Norbert Giovannini gesendet:

SWR Aktuell Giovannini

 

 

Norberts Rede in Berlin kann mit dem folgenden Link angeschaut und angehört werden:

Norberts Rede bei der Preisverleihung

Obermayer-Award:

Auszeichnung für herausragendes Engagement zur Bewahrung jüdischer Geschichte und zur Bekämpfung von Vorurteilen in der heutigen Zeit.

"In den vier Büchern und zahlreichen Artikeln, die Norbert Giovannini im Laufe seiner 30-jährigen Tätigkeit geschrieben hat, widmet er sich unermüdlich der Erforschung, Rekonstruktion und öffentlichen Vermittlung der jüdischen Vergangenheit Heidelberg. Er hat die Geschichte des jüdischen Lebens in der Stadt dokumentiert und von 1996 bis 2016 Besuche von ehemaligen jüdischen Bürgern und ihren Nachfahren mit gestaltet. Darüber hinaus hat er Ausstellungen im Heidelberger Rathaus organisiert und an der Erstellung von Gedenktafeln am Standort der alten Synagoge mitgewirkt, auf denen die Namen Hunderter Heidelberger Juden eingraviert sind, die in Konzentrations- und Todeslager deportiert wurden. Sein neuestes Buch Stille Helfer, das im August erschienen ist, handelt von den vielen Heidelberger Bürgern, die jüdischen Mitbürgern während der NS-Zeit aktiv und nachhaltig geholfen haben."

Würdigung der Auszeichnung auf  Facebook durch den Kurpfälzischen Verlag.

 

 

September 2019

Podiumsdiskussion "Stille Helfer"

im DAI Heidelberg mit Norbert Giovannini und den Autoren Beate Kosmala und Frank Engehausen, Moderation Jörg Tröger.

 

Am 1. September 2019 fand die erste Buchpräsentation von "Stille Helfer" in der jüdischen Gemeinde Heidelberg statt. Pfarrer Hermann Maas, die Ärztin Marie Clauss, die Hausfrau Ottilie Winterroll, die Wäscherin Frieda Müller und weitere HelferInnen beherbergten und halfen auf unterschiedliche Weise den von den Nazis verfolgten und gefährdeten Personen. Norbert Giovannini, Ingrid Moraw, Reinhard Riese und Claudia Rink gaben ihnen eine Stimme und holten die Erinnerung an sie eindrucksvoll in die Gegenwart, in den Gemeindesaal mit über 200 gebannt zuhörenden Personen. Die Pianistin Ju-Hee Oh umrahmte die Veranstaltung mit der großartigen Musik des jüdischen Komponisten Robert Kahn. Norbert Giovannini stellte den Bezug zum Heute her: "Jeder kann nach seinen Möglichkeiten einen Beitrag leisten. Jeder kann sich vorbehaltlos für Verfolgte und Schutzbedürftige engagieren. Wir müssen es nur wollen, und dann müssen wir's auch tun."

 

Siehe auch Presseberichte

 

Juli 2019

Mal geschätzt, mal verfolgt

Vom Stadtphysikus Jacob Israel zu „Jud Süß“– Norbert Giovannini führte durch die wechselvolle Geschichte des jüdischen Heidelbergs

 

 

Mai 2019

Stolpersteine-Rundgang in der Weststadt

Eine Veranstaltung der Initiative Heidelberg für Kunst, Kultur und Genuss IHKKG

 

November 2018

Stadtrundgang zum 9. November 1938

mit Norbert Giovannini

 

Als die Synagogen brannten

Link zum Fotoalbum auf Facebook

September 2018

Als sie noch zu Deutschland gehörten ... und danach

Erzählungen jüdischer Lebensläufe und Familiengeschichten aus der Region und dem Exil.

Synagoge Heidelberg

Vortrag von Norbert Giovannini

 

Siehe auch Presse


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