Projekte

 

Heidelberg – Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 2018

 

Am 29. November 2017 stellte der Heidelberger Geschichtsverein das neue Jahrbuch vor. Inzwischen sind wir bei Nummer 22. Und im Jahr 2018 haben wir auch ein Jubiläum: Der Geschichtsverein wird 25 Jahre alt.

Die Präsentation des neuen Jahrbuchs findet – wie schon in den letzten Jahren – in der Volkshochschule Heidelberg um 20 Uhr statt. Mitglieder und  Freunde des Geschichtsvereins, Autoren und Mitwirkende und alle mit dem Jahrbuch und dem Geschichtsverein Verbundenen sind herzlich eingeladen.

Das Jahrbuch enthält wie immer ein breites Themenspektrum vom Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. So stellt Christian Burkhard seine Forschungen zu den Herren von Handschuhsheim vor, Ulrich Wagner schreibt über das Spital im 13. Bis 15. Jahrhundert und Hans Martin Mumm vertieft sich in die Beziehungen von Greetsiel und Heidelberg im 16. Jahrhundert. Reinhard Riese stellt seine Recherchen zu zwei Amtsleiterbiographien der Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Carl Neinhaus – vor, während und nach der NS-Zeit. Eine spannende Studie über Kontinuitäten und Brüche in der Kommunalverwaltung. Die eindrucksvolle und prototypische Biographie eines hoch angesehenen Militärarztes aus dem Ersten Weltkrieg, Dr. Anton Ernst, Direktor des Reservelazaretts in Heidelberg, legt Hartmut Gräber vor.

 

Auf einige Artikel, mit deren Redaktion ich besonders beschäftigt war, will ich hinweisen.

  • Jaqueline Dotzer, Geschichtsstudentin und im Vorstand des studentischen Vereins Lupe e.V., befasst sich mit dem Heidelberger Fremdenverkehr und seiner Beziehung zum Ausbau des südwestdeutschen Eisenbahnwesens bis zum Ersten Weltkrieg.
  • Daniela Gress, seit Juni 2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsstelle Antiziganismus am Historischen Seminar der Universität Heidelberg, dokumentiert und analysiert Die Ursprünge der Bürgerrechts-bewegung deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Ja, in Heidelberg, denn  vor 35 Jahren gründete sich hier der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma mit und vor 20 Jahren wurde die weltweit erste Dauer-ausstellung zum Völkermord an der Minderheit feierlich im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma eröffnet.
  • Frank-Uwe Betz aus Schwetzingen, Publizist, NS-Forscher und Aktiver des Arbeitskreises Freundliches Schwetzingen e.V., widmet sich der Biographie und den Umtrieben des Psychiaters Dr. Dr. Julius Deussen, seiner Tätigkeit in der Forschungsabteilung der Psychiatrischen Klinik um 1943 und seine vielfältigen Versuche, die eigene Biographie nach dem Krieg von der Mitwirkung an NS-Euthanasieverbrechen zu bereinigen.

 

Das Jahrbuch enthält wie immer zahlreiche Rezensionen von Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte (Unter anderem auch eine Besprechung der Untersuchung von Christian Pross zum Sozialistischen Patientenkollektiv, die man auf unserer Homepage unter Veröffentlichungen Norbert finden kann) und ein Gesamtverzeichnis aller 1916/ 1917 erschienenen Bücher zur Heidelberger Geschichte, nach Epochen geordnet.

Heidelberg – Jahrbuch zur Geschichte der Stadt ist in allen Buchhandlungen erhältlich. Ältere Ausgaben können direkt beim Kurpfälzischen Verlag bestellt werden. Kontakt zum Heidelberger Geschichtsverein bietet sich an über die Homepage des HGV, die auch Inhaltsverzeichnisse der bisherigen Jahrbücher enthält.

 

 

Das aktuelle Buchprojekt:

… die uns Helfer waren in der Not. Heidelberg 1933 bis 1945

 

Es gab sie, die Anständigen, Couragierten und Unbeugsamen, die in der NS-Epoche den jüdischen Nachbarn, Arbeitskollegen und Bekannten tatkräftig geholfen haben. Sie versorgten sie mit Lebensmitteln, boten ihnen Schutz, halfen bei der Flucht, hielten den Kontakt aufrecht, schützten sie an den Arbeitsstellen, aber auch in Gefahrensituationen wie der Pogromnacht im November 1938.  Meist sind die Helfer große Risiken eingegangen. Die Reichweite der Hilfe war unterschiedlich. Sie reichen von den kleinen Gesten im Alltag bis zur kompromisslosen und effektiven Hilfe bei Kindertransporten und Fluchtvorbereitung. Sichtbar wird die Bedeutung  von Hilfe und Solidarität, die zugleich Manifestationen darstellen gegen Gleichgültigkeit, Opportunismus und aktive Mitwirkung an Diskriminierung und Verfolgung.

 

Das Projekt „… die uns Helfer waren in der Not“ will die Helfer, ihre Motivation, ihr Handeln und die Milieus, in denen sie wirksam wurden, sichtbar machen. Bezugsfeld ist die Stadt Heidelberg in der NS-Epoche von 1933 bis 1945. Im Zentrum stehen solidarische und helfende Reaktionen auf die verfolgte jüdische Bevölkerung, aber auch im Hinblick andere Verfolgtengruppen, die Diskriminierung und Verfolgung erlebten. Wir stellen die Erträge von Archivforschung, biographische Skizzen und systematische Untersuchungen zusammen und planen für 2018 eine Publikation mit zahlreichen Enzelbeiträgen entstehen. Sie erscheint im Kurpfälzischen Verlag Heidelberg. Das Projekt wurde angeregt von der jüdischen Kultusgemeinde und wird gefördert vom Verein Begegnung e.V. und der Klaus-Tschira-Stiftung. Die Verantwortung für die Gesamtherstellung liegt bei Norbert Giovannini. Angebote zur Mitwirkung sind ausdrücklich erwünscht, ebenso dokumentarische und biographische Zeugnisse. Bitte wenden sie sich an mich unter n.giovannini@t-online.de oder norbert@gioimweb.de

Autoren sind Wolf U. Eckard, Michael Ehmann, Frank Engehausen, Markus Geiger, Norbert Giovannini (verantw.Autor),  Renate Marzolff, Almut Agnes Meyer, Ingrid Moraw, Petra Nellen, Reinhard Riese, Claudia Rink (Verlag und Autorin), Maike Rotzoll, Klaus Schroeder, Bernd Weidmann u.a.

 

Der erste Teil des Buchs wird eine Übersicht über Täter, Opfer- und Verfolgtengruppen, Widerständler und Nutznießer im lokalen Kontext  enthalten und sich an die bisherigen Forschungen anschließen. Die „Helfer“-Handlungen können so eingebettet werden in die Milieus von Tätern, Opfern und Nutznießern und die darin sichtbaren Handlungsoptionen. Besonderes beleuchtet wird die Nutznießerschaft im Fall der Zwangsablieferung von Wertsachen jüdischer Einwohner im Frühjahr 1939. Untersucht werden die Spruchkammerverfahren, die dort sichtbaren Täterentlastung, aber auch glaubwürdig dokumentiertes widerständiges und solidarisches Handeln. Strafverfahren , insbesondere des Mannheimer Sondergerichts, und Enteignungen von Firmen- und Hausbesitz werden exemplarisch untersucht. Der zweite Teil dient der Spurensuche zu Stationen und Dimensionen täglicher Zivilcourage, z.B. dem Wirken des evangelischen Stadtparrers Hermann Maas und seines Unterstützerkreises, des Rohrbacher Pfarrer Otto Däublin, der Ärztin Dr. Marie Claus (Renate Marzolff), der Schulgründerin Elisabeth von Thadden und ihres Nachfolgers  Philipp Leiprecht, den Helfern aus dem Umfeld der jüdischen Gemeinde und jüdischen Mischehepartnern, Nutznießern und Helfern im akademischen Milieu und der Staatsverwaltung, in Kliniken und der nachbarschaftlichen Hilfe.

 

 

 

„Spurensuche in  Heidelberg“ – Ein regionalgeschichtliches Materialheft

 

Das Projekt „Spurensuche in  Heidelberg“ – Ein regionalgeschichtliches Materialheft für Schulen, Schüler*innen und Lehrkräfte zur Verfolgung von Minderheiten im Nationalsozialismus. Herausgegeben vom Verein Heidelberger Lupe – Verein für Historische Forschung und Geschichtsvermittlung.

 

Auf dieses Projekt weise ich hin, weil ich seit 2014 einige der Initiatorinnen und Mitarbeiterinnen des 2016 gegründeten Vereins Heidelberger Lupe begleitet habe. Zunächst im Rahmen eines Seminars von Daniela Gress und Irene Wachtel am Historischen Seminar als Sachverständiger, als Berater für die Ausstellung „Herausgerissen – Deportation von Heidelbergern 1940“ im Foyer des Heidelberger Rathauses vom 22.10. bis 20.11 2015 und die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am 27.1.2015. Und  nun als Berater für das aktuelle Lupe-Projekt.

 

Der Verein Heidelberger Lupe ist ein studentischer Verein. Geschichtsstudierende gehen neue Wege, in dem sie während des Studiums Projekte entwickeln und gestalten, die an die Öffentlichkeit gerichtet sind. Als Gedenkarbeit an die städtische Öffentlichkeit, als fachliche und didaktische Publizistik an die Schulen und den Geschichtsunterricht. Damit wird Geschichte begreifbar, sichtbar, kontextuell mit dem Wohnort verbunden und Teil eines erforschbaren Nahbereichs. Geschichtliche Vorgänge werden herangezoomt und über Bilder, Dokumente, Namen, Orte, Zeitzeugen und Gedenkeinrichtungen vermittelt. Damit wird das Studium auch eingefädelt in öffentliche Wirkung und praktische Vermittlungsaufgaben.

 

Das Projekt Spurensuche in Heidelberg bietet dies in einem reichhaltigen Themenspektrum. Fachlich und didaktisch aufbereitetes Material zum Nationalsozialismus in Heidelberg, verbunden mit Übersichtsartikeln, behandeln Aspekte des Nationalsozialismus vor Ort, mit einem unverkennbaren Schwerpunkt auf dem Umgang mit Minderheiten, Verfolgtengruppen und den besonders im Visier der NS-Ideologen stehen Gruppen von Kindern und Jugendlichen.

 

Lehrer und Lehrerinnen  erhalten Hinweise auf Kooperationspartner, deren sich ein aktivierender und motivierender Geschichtsunterricht in einer von Geschichte so gesättigten Stadt wie Heidelberg nahezu zwingend bedienen muss. Gestaltungs- und Projektvorschläge zu den Themen und realistisch bearbeitbare Materialien sowie Hinweise auf weiterführende Literatur reichern die Beiträge an.

 

Themen sind u.a. Die jüdischen Gemeinden in Heidelberg, die Verfolgung der Sinti, der politische Widerstand und seine dramatische Zerschlagung, die Praxis der Euthanasie, die Kontinuität rassistischer Lehrinhalte an der Universität und die Dauerwirkung rassistischer Bild- und Denkweisen in der Populärkultur, die Bücherverbrennung 1933, die Zwangsarbeit und das KZ-Außenlager in Mannheim-Sandhofen, die spezifischen Sozialisations- und Erziehungskonzepte für Kinder, Jugendliche, und Mädchen, die Umsetzungen und Ambivalenzen des NS-Frauenbildes und die unmittelbare Nachkriegszeit in der äußerlich unzerstörten Stadt.

 

Das Materialheft ist im März 2018 erschienen.

2016

Eröffnung der Ausstellung „Begegnung“ im Foyer des Heidelberger Rathauses

am 14. April 2016

 

Die Ausstellung thematisiert die Gedenk- und Erinnerungsarbeit an die Schicksale der ehemaligen jüdischen Einwohner Heidelbergs, die in der NS-Zeit verfolgt, gequält, zur Flucht gezwungen, in das Internierungslager Gurs und die Todeslager im Osten deportiert wurden.

Zentrum der Ausstellung sind Biographien ehemaliger jüdischer Einwohner, die im Mai 2016 auf Einladung der Stadt Heidelberg besuchen werden. Nach 1996, 2001, 2007  und 2013 ist dies die fünfte Einladung, die unter maßgeblicher Beteiligung des Fördervereins Begegnung e.V. stattfinden kann. Die Ausstellung dokumentiert die Initiativen des Vereins, die sich auf den Aufbau von Kontakten, die Betreuung der Besucher, aber auch auf die Unterstützung von Reisen und Publikationen konzentriert haben.

Die Ausstellung wird mit einem Beitrag des Oberbürgermeisters, Dr. Eckhart Würzner, um 18 Uhr im Foyer des Heidelberger Rathauses eröffnet. Kurator der Ausstellung ist der Mannheimer Galerist Reinhold Weinmann (galerie grandel, S4, 23, 68161 Mannheim)

 

Ehemalige jüdische Einwohner besuchen Heidelberg

Auf Einladung der Stadt Heidelberg besuchen vom 8.Mai 2016 bis 12.Mai 2016  zwölf ehemalige jüdische Einwohner mit Begleitpersonen die Stadt, in der sie geboren wurden und aus der sie und ihre Eltern in der NS-Zeit ab 1933 vertrieben wurden. Es ist der fünfte Besuch von Ehemaligen seit 1996, denen zahlreiche Einzelbesuche in den siebziger und achtziger Jahren vorausgegangen waren.

 

Die Stadt Heidelberg möchte mit dieser Einladung ein Zeichen setzten, dass die Erinnerung an die Geschehnisse im Nationalsozialismus ebenso lebendig gehalten werden sollen wie der persönliche Kontakt zu den z.T. hochbetagten ehemaligen jüdischen Einwohnern. Für die fünf Tage ist deshalb ein umfangreiches Programm erstellt worden, das auch Begegnungen mit Heidelberger Schülern und Schülerinnen umfasst. Weitere Stationen des Besuchs sind am 9.5. um 16 Uhr ein Empfang im Rathaus durch den Oberbürgermeister und eine Besichtigung der Ausstellung „Begegnung“, in der die Biographien der Eingeladenen dargestellt werden. Am 10.5. stehen Zeitzeugengespräche, ein Besuch der jüdischen Hochschule und eine Begegnung mit der jüdischen Gemeinde auf dem Programm. Am Donnerstag, dem 11.5. ist Gelegenheit, die Gräber von Angehörigen auf dem jüdischen Friedhof und die Ausstellung „Jewish Mathematicans“ im neuen Mathematicon im Neuenheimer Feld zu besichtigen. Am Abend dieses Tages endet der offizielle Teil des Besuchs mit einem Festabend mit Oberbürgermeister Würzner im Prinz Carl.


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